QUEMADA Talk

Eine Geschichte der Diebe. Ein Gespräch mit Iron & Wine

Sam BeamIn der Blogosphäre hat sich ein Interview mit dem Musiker Sam Beam aus dem Jahr 2002 erhalten, das auch ein Foto zeigt. Auf dem Foto zu sehen ist der Kopf eines jungen Mannes mit Bart, gebettet auf ein Kopfkissen mit Mond-und-Sterne-Muster. Es war damals gerade The Creek Drank the Cradle erschienen, ein sparsam mit Gitarre und Banjo instrumentiertes Album mit Songs, die Sam Beam unter seinem Künstlernamen Iron & Wine alleine zuhause aufgenommen hatte und die beim Abspielen klangen, als kämen sie aus einem alten Radio. Er lebte in Miami und unterrichtete Filmwissenschaft und Kurse für Drehbuchautoren.

Nicht ganz zehn Jahre später. Sam Beam ist mehrfacher Familienvater, er lebt in Texas und hat Kiss Each Other Clean veröffentlicht, sein viertes Studioalbum, auf dem die Songs, wie er selbst sagt, so klingen wie die Musik, die junge Menschen in den 1970er Jahren in den Autoradios ihrer Eltern hörten. Den Bart trägt er nach wie vor. Am Valentinstag 2011 treffen wir Sam Beam im Frankfurter Mousonturm, wo er am Abend ein Konzert geben wird. Auf einem Tisch steht, neben einem Laptop, eine Flasche Whiskey der Marke Jim Beam und wer möchte, kann darüber einen Witz machen, über Sam und Jim Beam. Solange wir dabei sind, bleibt die Flasche verschlossen. Jemand bringt Wasser. Zur Fensterseite hin steht ein Bügelbrett, auf dem wir unsere Kamera aufbauen.

Sprichst Du eigentlich ein bisschen Deutsch?

Ich? Nein…“Alles klar?“. Mehr nicht. Aber ich mag Bilder. Wenn Ihr mir Euer Magazin schickt, schaue ich mir die Fotos an.

Dann fangen wir jetzt mit dem richtigen Interview an, es geht nämlich auch gleich um Bilder…irgendwie. Stell Dir vor, jemand gäbe eine Menge Geld, um einen Film zu drehen. Was für ein Film wäre das?

Oh, es gibt viele Filme, die ich gerne machen würde. Ich lese gerne Bücher und ich lese sehr verschiedene Arten von Büchern. Science Fiction Romane, historische Romane, alles Mögliche. Mir  gefallen ganz unterschiedliche Sachen und wenn ich ein Originaldrehbuch sehe, denke ich oft, es ist nicht so gut wie dieses oder jenes Buch, also würde ich wohl einen Roman verfilmen.

Seit Du sozusagen vom Filmgeschäft ins Musikgeschäft hinübergewechselt bist, werden Deine Songs sehr häufig in Filmen verwendet.

Es gibt bis jetzt etwa ein Dutzend Filme, in denen Musik von Dir vorkommt.

Hältst Du das für Zufall oder haben Deine Lieder eine bestimmte filmische Qualität?

​Man müsste die Leute fragen, die die Musik verwenden. Ich arbeite auf jeden Fall gerne mit Filmemachern zusammen, denn ich war ja selbst auf der anderen Seite wenn man so will, und weiß deshalb, wie schwierig es ist. Also bin ich in der Regel sehr großzügig, wenn es darum geht, jemanden meine Sachen verwenden zu lassen. Was diese „filmische Qualität“ angeht, kommt es darauf an, wofür ein Song benutzt wird. Häufig werden in Filmen Stücke eingesetzt, auf die man irgendwie emotional reagiert, es geht um das emotionale Gewicht einer Szene. Manchmal spielt auch der Text eine Rolle. Es kommt darauf an. Ich meine, meine Songs sind auch schon in Romantic Comedies verwendet worden, versteht Ihr?

Wenn Du Dein Leben mit einer Figur aus einem Film tauschen müsstest, mit wem würdest Du tauschen?

​Hmm…wer wärt Ihr denn gerne?

David: Der Dude aus The Big Lebowski.

Zoë: Ich wäre gerne Addie aus Paper Moon von Bogdanovich.

Dann wäre ich gerne Snoopy.

***

Meinst Du, dass es eine Art neuer Ernsthaftigkeit unter den jungen Konzertbesuchern gibt?

Eigentlich nicht. Es gibt immer solche, die feiern und sich betrinken und tanzen wollen und andere, die wegen eines Kunsterlebnisses hingehen. Deshalb denke ich nicht, dass es eine neuartige Erscheinung ist.

Offenbar bist Du in dieser Frage anderer Ansicht als Jonathan Franzen, in dessen neuem Roman Freedom von einer solchen neuen Ernsthaftigkeit die Rede ist. Übrigens im Zusammenhang mit einem Bright Eyes Konzert. Aber das ist schon in Ordnung, Du bist ja hier der Experte.

Nein, ich will ihm nicht widersprechen. Es gehen im Leben ja immer verschiedene Dinge gleichzeitig vor sich und man kann sich entscheiden, ob man sich eher auf das eine oder das andere konzentrieren möchte und was man sehen möchte, die Leute, die tanzen oder die, die nur zuhören. Eine kulturelle Signifikanz messe ich dem nicht bei.

Worauf die Frage abzielte, war eine Erfahrung, die wir gemacht haben: Dass nämlich bei Folk-Konzerten eine ganz andere Atmosphäre herrscht als bei einem Konzert von, sagen wir, Metallica, und dass es wieder mehr solcher Konzerte gibt.

Die Folk-Music bekommt in den letzten Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, das stimmt. Aber es hat sie immer gegeben. Es gab immer die lauteren, eher synthetischen Sachen und gleichzeitig die etwas leiseren, natürlicheren Sachen. Vor zehn Jahren waren das die Cowboy Junkies oder Mazzy Star, auf dieser Seite der Medaille. Es kommt eben darauf an, welche Seite man anschaut. Aber das Interesse der Öffentlichkeit bewegt sich in Wellen und Zyklen und wenn die Öffentlichkeit zu viel von dem synthetischen Zeug bekommt, wendet sie sich dem Natürlichen zu und wenn sie zu viel davon bekommt, kehrt sie wieder zurück zu dem anderen. Das Merkwürdige ist gegenwärtig, dass heute alles auf einmal stattfindet. Es gibt keine gemeinsame kollektive Erfahrung, wie dass jeder denselben Radiosender hört. Wisst Ihr, was ich meine? Jeder von uns hört, was er will. Die ganze Zeit, jederzeit. Also findet alles gleichzeitig statt. Und welche Art von Musik auch immer man sich wünscht, oder welchen Abschnitt des Spektrums, es gibt sie da draußen und man kann sie finden.​

***

Du hast mal gesagt, Deine eigenen Songs seien eher mit Gedichten vergleichbar als mit Gemälden. Schreibst Du manchmal Gedichte, die nicht dazu gedacht sind, Songs zu werden?

In der letzten Zeit nicht. Ich habe es früher getan. Inzwischen habe ich auch nicht mehr so viel Zeit, wie sie gerne hätte, um an Songs zu arbeiten und deshalb arbeite ich an Songs, wenn ich Zeit habe. Aber es stimmt, ich behandele sie eigentlich wie Gedichte, jedenfalls eher als wie einen Essay, in dem man seine Meinung vertritt und begründet,  oder ein Gemälde. Ich meine, ein Gemälde ist ein Gemälde, und in einem Gedicht kann man mit Wörtern mehr ausdrücken als in einem Gespräch. Ich vertrete ja keine bestimmte Ansicht mit meinen Songs.

Welche Dichter würdest Du denn als die wesentlichen Einflüsse für Dein eigenes Schreiben bezeichnen?

Die Liste wird immer länger, genau wie die mit den Musikern. Es gibt so viele. Im Tourbus habe ich ein Buch von Lucille Clifton. Ich mag John Berryman. Ach wisst Ihr, es gibt so viele.

Vorausgesetzt Du hast Zeit, um zu schreiben – wie sieht Dein Arbeitsprozess aus?

Ich gehe ihn wie einen Job an. Morgens bringe ich meine Kinder in die Schule, dann gehe ich in mein Studio. An manchen Tagen arbeite ich an den Texten, an anderen an der Musik, ja nach dem, was mir nötig erscheint. Und dann höre ich auf und hole die Kinder von der Schule ab. Als gäbe es eine Stechuhr.

Du hast fünf Töchter, oder?

Genau.

Beeindruckend. Es scheint eine typisch deutsche Angewohnheit zu sein, Songtexte zu analysieren. Fühlst Du Dich wohl damit, wenn die Menschen das tun oder wäre es Dir lieber, wenn sie die Platten hören würden, aber die Texte in Ruhe ließen?

Nein, ich verwende viel Zeit auf diese Texte und ich freue mich, wenn die Leute sich damit beschäftigen. Ich versuche es so zu halten, dass diejenigen, die sich mit den Texten lieber nicht aufhalten möchten, die Aufnahmen trotzdem hören und genießen können, auf der reinen Klangebene sozusagen, aber dass sie auch etwas davon haben, sich mit meinen Texten auseinanderzusetzen. Aber wie gesagt, es sind keine Essays, ich versuche nicht, eine These zu begründen, sondern sie sind offen für Interpretationen. Wenn ich nach der Bedeutung eines Songs gefragt werde, kann es sein, dass ich weiß, woran ich beim Schreiben dachte und worauf es hinausläuft, aber es kommt auch vor dass ich sagen muss: Das ist der Song, mehr weiß ich auch nicht darüber – und ich will damit nicht unverbindlich sein oder begriffsstutzig, sondern ich behandle die Texte einfach wie Gedichte. Habt Ihr Fragen zu den Texten?

Ehrlich gesagt haben wir sie wieder rausgeschmissen, nach einigen nicht ganz so angenehmen Erfahrungen, die wir bei früheren Interviews gesammelt haben, wenn es um Texte ging. Letztes Jahr haben wir hier in Frankfurt The Low Anthem  getroffen und ihnen einige Fragen zu ihren Songtexten gestellt. Und sie sagten immer nur: Darüber denken wir nicht nach. Sie taten zumindest so, als sei es ihnen ganz egal, was sie sängen. Sie sind übrigens auch Fans von Dir.

(lacht) Mir gefällt auch, was sie machen. Wir sind schon ein paar Mal zusammen aufgetreten.

Es wäre schön, noch mehr darüber zu hören. Aber wie auch immer, zurück zu unseren eigentlichen Fragen: Schreibst Du Songs, weil Du ein bestimmtes Album im Kopf hast, für das Du sie brauchst, oder schreibst Du immer weiter und schaust, was Du hast, wenn Du ins Studio gehst, um eine Platte aufzunehmen?

Letzteres. Ich schreibe eigentlich dauernd und es ist schwer…nein, es ist nicht schwer, was ich meine ist: Man schreibt einen Song nicht mit dem Hintergedanken, dass er neben anderen Songs auf einer Platte erscheinen wird. Es hat deshalb immer auch etwas Zufälliges, wenn man sich entscheiden muss, welche Stücke zusammen auf ein Album passen. Bei The Woman King bemerkte ich, dass ich eine Reihe von Liedern geschrieben hatte, in denen Frauenfiguren vorkamen…

Das ist uns auch aufgefallen…

(lacht) Ja, ist Euch das auch aufgefallen? Bei The Shepherd’s Dog sind viele Lieder ehrlich gesagt deshalb auf dem Album, weil irgendwo im Text ein Hund vorkommt. Bei meinem letzten Album ist es das Motiv des Flusses. Ich habe die Lieder ausgesucht, weil es einen Fluss darin gibt. Das kann manchmal anstrengend sein. Aber wenn man das tut und wenn man dann ein Element gefunden hat, das sie verbindet, fühlt es sich auch wiederum so an, als seien sie eigentlich Teile eines Stücks. Es ist auch ein Trick. Dadurch passiert es, dass neuere Songs mit solchen zusammenkommen, die schon Jahre alt sind. Und es ist interessant zu sehen, dass man offenbar immer wieder zu den gleichen Motiven zurückkehrt, wie auf das Bild des Flusses. In einem Song, den ich vor zehn Jahren geschrieben habe, ist der Fluss vielleicht etwas Erlösendes und in einem neueren ist er eine zerstörerische Gewalt. Es macht mir Spaß festzustellen, wie ein Motiv wiederverwendet wird und unterschiedliche Bedeutungen erhält.

***

Wir leben bekanntlich im 21. Jahrhundert – wenn man sich mit Musikern unterhält, spricht man eigentlich immer auch automatisch über die Medienwechsel, die in der letzten Zeit stattgefunden haben, über das Internet, mp3 und i-pod. Welchen Einfluss hat das auf Deine Arbeit? Man hört zum Beispiel oft, dass Musiker mehr Konzerte spielen müssen, um leben zu können, weil weniger Platten verkauft werden. Ist das bei Dir auch so?

Eigentlich trifft das ja auf die Geschichte des Musikgeschäfts überhaupt zu. Seit der Tin Pan Alley Ära, seit überhaupt Platten aufgenommen werden. Die Geschichte der Schallplattenindustrie ist eine Geschichte von Dieben. Die Künstler haben immer davon gelebt, dass sie Konzerte gegeben haben. Dass jemand von den verkauften Platten leben kann, ist eher die Ausnahme als die Regel. Und nun scheint es damit ohnehin vorbei zu sein. Aber das ist schon in Ordnung so, denn live zu spielen und Konzerte zu geben ist ja das Einzigartige, was Musiker zu bieten haben.

Das ist sicher schwierig, wenn man eine Familie hat. Sind Deine Frau und Deine Kinder manchmal mit Dir unterwegs auf einer Tour?​

Auf Tour nicht. Die Jüngste ist noch kein Jahr alt, das geht also nicht, im Bus und so. Manchmal kommen sie mit, wenn ich ein Konzert auf einem Festival gebe. Oder wenn ich irgendwo in Texas auftrete. Aber es ist wirklich seltsam, wenn man beides bekommt, das man sich gewünscht hat, Musiker zu sein und eine große Familie zu haben, und dann merkt, wie schwierig es ist, beides unter einen Hut zu bringen. Weil sich beide Dinge scheinbar gegenseitig ausschließen. Zum Glück glaube ich, dass das nicht immer so bleiben wird. Meine Kinder werden größer und dann können sie zu jedem Konzert kommen, zu dem sie kommen wollen.

Du hast den „Record Store Day“ unterstützt, indem Du ein exklusives Live-Album herausgebracht hast?​

Ja, ich liebe Platten. Ich sammle Platten. Ich liebe es überhaupt, Sachen zu sammeln. Bücher, CDs, alles Mögliche … auch Filme. Ich stelle gerne etwas her und ich sammle auch gerne Dinge. Ich hoffe sehr, dass die Plattenläden nicht verschwinden werden.

Wir freuen uns, dass Du das sagst. Uns ist auch aufgefallen, dass Du mehrere EPs herausgebracht hast.

Stimmt. Nun schon längere Zeit nicht mehr. Es ist eine gute Möglichkeit, um regelmäßig zu arbeiten, und man muss nicht so viel Zeit und Kraft aufbringen, um eine EP zu bewerben wie für ein Album. Heutzutage ist die Werbemaschinerie in der Plattenindustrie kaum noch zu bezahlen, man fühlt sich fast gezwungen, nicht jedes Jahr eine Platte zu veröffentlichen, denn man steckt so viel Kraft darein, sie bekannt zu machen und damit auf Tour zu gehen, dass die Menschen es im Jahr drauf noch leid sind, dich zu sehen. EPs sind gut, um für die Fans weiterzuarbeiten. In der letzten Zeit hatte ich aber einfach zu viel damit zu tun, entweder auf Tournee zu gehen oder Kinder großzuziehen.

***

Wir haben noch ein paar Minuten und noch ein paar Fragen zu persönlichen Vorlieben. Was war die letzte Platte, die Du selbst gekauft hast?

Die letzte Platte, die ich gekauft habe…ich war vor Kurzem erst in einem Plattenladen…jetzt habe ich es vergessen. Sie muss wirklich einen tiefen Eindruck auf mich gemacht haben…Das letzte Vampire Weekend Album habe ich gekauft. Es dauert bei mir eine Weile, bis ich dazu komme, aber ich versuche, auf dem Laufenden zu bleiben … ich habe ein paar Neuauflagen afrikanischer Musik gekauft, Musik aus den 70ern, die endlich wieder neu herauskommt. Leider kann ich nicht so häufig in Plattenläden gehen, wie ich gerne möchte, deshalb endet es immer damit, dass ich einen ganze Stapel kaufe und dann vergesse, was alles dabei ist, bis ich am Fuß des Stapels angelangt bin. Oh, von Tom Tom Club habe ich eine CD gekauft. Könnt Ihr Euch an die erinnern? Viele aus der Band waren bei den Talking Heads mit David Byrne. Es gibt ein tolles Stück von ihnen, „The Genius of Love“, das ich endlich auf CD gekauft habe.

Und das letzte Buch, das Du gelesen hast?​

Das letzte Buch, das ich gelesen habe ist The Season of Migration to the North von Tayeb Salih.

Der letzte Film, den Du gesehen hast?​

Der letzte, der neu rausgekommen ist?

Was auch immer für ein Film.

Wir schauen viele Filme im Bus an. Letzte Nacht haben wir einen neuen Sherlock Holmes Film gesehen.

Den von Guy Ritchie?

Nein, es war ein neuer Fernsehfilm von der BBC. Am Abend davor haben wir Shadows of the Forgotten Ancestors angeschaut, einen alten russischen Film. Ich weiß, das ist etwas seltsam. Im Kino habe ich zuletzt einen Film für Kinder gesehen, ich weiß nicht mehr, welchen.

Der letzte Mensch, den Du getroffen hast, von dem Du meinst, er solle Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden?

Ich weiß nicht. So jemanden habe ich, glaube ich, noch nie getroffen. Mir fällt niemand ein.

Wenn Du Dir eine andere Zeit aussuchen könntest, um auf die Welt zu kommen, welche Zeit wäre das und was würdest Du tun? ​

Oh, genau das hat mich gestern schon jemand gefragt und ich habe geantwortet, ich wisse es nicht. Ich könnte Euch das gleiche antworten…ich denke, es hätte interessant sein können, um die Jahrhundertwende geboren worden zu sein, am Beginn der Moderne, obwohl natürlich eine Menge Scheiße passiert ist zu der Zeit. Jede Zeit hat ihr Für und Wider.

Letzte Frage. Frank Zappas Handbuchdefinition des Rockjournalismus lautet: Menschen, die nicht schreiben können, bereiten Geschichten auf über Menschen, die nicht reden können um damit Menschen zu unterhalten, die nicht lesen können. Diese Definition wirft ihren Schatten, wann immer eine seriöse Zeitschrift – die diejenige, die wir herausbringen wollen – auf die Idee kommt, einen seriösen Musiker wie Dich zu interviewen. Denkst Du, dass da etwas dran ist und wenn ja, wer ist schuld daran?

(lacht) Wow. Ja, da ist sicher etwas dran. Natürlich kommt es mir vor, als sei vieles, das im Musikjournalismus geschrieben wird, ziemlich albern. Aber über Kunst zu sprechen ist überhaupt ziemlich schwierig, weil Kunst nicht dazu da ist erklärt zu werden, sondern erfahren werden sollte. Erfahren auf einer emotionalen Ebene. Künstler müssen deshalb nicht immer Intellektuelle sein. Man muss kein Intellektueller sein, um ein Künstler sein zu können. Man muss auch kein Intellektueller sein, um Kunst verstehen zu können, aber es ist schön, sie auch auf diese intellektuelle Ebene bringen zu können. Dass man Kunst auf verschieden Ebenen verstehen kann. Also – ja, es ist etwas dran, aber ich weiß nicht, wer daran Schuld hat. Kommt darauf an, was man von Kunst und Journalismus erwartet, wonach man sucht. Ich mag es, manchmal in die Tiefe zu gehen, aber manchmal möchte ich etwas auch nur oberflächlich genießen.

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