PROLOG / Quemada #1: Cold Fact

QUEMADA #1: Cold Fact

IMG00268

Quemada #1 kommt im Sommer. Bevor es so weit ist, bringen wir eine Vorschau auf das Heft. Es geht um Fakten. Um kalte, wie der Titel sagt. Friedrich Nietzsche notierte seinerzeit: „Gegen den Positivismus, welcher bei dem Phänomen stehen bleibt ›es gibt nur Tatsachen‹, würde ich sagen: nein, gerade Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen. Wir können keine Fakten an sich feststellen: vielleicht ist es Unsinn, so etwas zu wollen.“ Wir wollen es auch gar nicht. Aber wir stellen fest, dass gerne auf die Fakten verwiesen wird, wenn uns die Welt als gegeben und unveränderbar angeboten wird, von Fußballkommentatoren, die wissen, dass England in einem internationalen Turnier noch nie beim Elfmeterschießen weitergekommen ist, oder von Männern, die in Berlin und Brüssel aus teuren Autos steigen und sagen, dass die Wirtschaft weiter wachsen muss, weil wir sonst verloren sind. Sie kennen die Fakten.

Bis heute gelten auch Naturkatastrophen als Fakten, mit denen wir leben müssen. Sie sind unbeherrschbar, aber an diesem Problem wird gearbeitet: Rivka Galchen schreibt in einem Essay ÜBER DEN VERSUCH, WIRBELSTÜRME ZU KONTROLLIEREN. Die Natur hält nicht nur Katastrophen bereit, sondern auch Nervengifte und bewusstseinserweiternde Substanzen. John Wray hat eine davon ausprobiert: Ayahuasca. In VOM SCHWANZENDE EINES LANGEN MÄANDERNDEN ESSAYS ÜBER DEN KONSUM VON FREIZEITDROGEN, DER NIE GESCHRIEBEN WURDE erzählt er von diesem Trip ::: Esther Widmann hat Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet, d.h. sie hat es versucht, als Demonstrantin bei der Blockade eines Castor-Transports. Ihr Essay GANDHI IM WENDLAND zeigt, wie es sich anfühlt, von höflichen Polizisten weggetragen zu werden, während anderswo auf protestierende Freiheitskämpfer geschossen wird ::: Sasha Petrova hat ein unmoralisches Angebot bekommen. In DER LAUT TROMMELNDE ZWERG: INDEPENDENT VERLAGE macht sie sich Gedanken darüber, ob ein Verlage Autoren finanzieren sollten oder Autoren einen Verlag. Es geht nicht nur um Geld, es geht um mehr: Um Kunstraub als künstlerische Selbstverwirklichung ::: Der britische Bluesmusiker Graham Bond, der von sich behauptete, ein unehelicher Sohn des Magiers Aleister Crowley zu sein, wurde 1974 von einem Zug überfahren. Im Juni 2012 beging Bob Welch, ehemaliger Gitarrist der Band Fleetwood Mac Selbstmord in Kalifornien. David Krieger sieht einen Zusammenhang: In ENDSTATION FINSBURY PARK erzählt er die seltsamen Geschichten der Gitarristen Peter Green, Danny Kirwan, Jeremy Spencer, Tommy Bolin und Paul Kossoff. Die kalten Fakten dazu findet man im Internet.

Mit herzlichen Grüßen aus der Kälte,

David Krieger, Sasha Petrova, Zoë Tannenbaum, Jan Winkler

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s