FIREBIRDS

Blue Sky Thinking

Vom Verlag im Stich gelassen, ist QUEMADA frei für neue Herausforderungen. Im Juli ging die Redaktion daran, eigene und alternative Produktionsweisen und Distributionswege für die erste Ausgabe des Magazins zu entwickeln. Wir begannen die Diskussion mit der Frage, ob wir die Redaktionssitzung aus dem Büro in einen anderen Raum verlegen sollten, um „den Kopf aufmachen“ zu können und „out of the box“ zu denken, dann machten wir uns auf den Weg. In einem neuen Café-con-Workspace, das kürzlich in der Karlstraße/Adelheidstraße eröffnet hat, entstand eine erste Idee.

Vorschlag 1: Download

Der MusikSCAN_20130731_14041118er BECK hat letztes Jahr in McSweeney’s ein Album veröffentlicht, das nur auf Papier erschienen ist, sozusagen als Transkription der Musik, die zu hören sein soll. Warum nicht den umgekehrten Weg gehen und ein Magazin aufnehmen? Alle Texte werden von den Autoren oder Redakteuren vorgelesen, das Magazin als Audiobook im mp3 Fornat und auf itunes veröffentlicht. So kann man QUEMADA auch beim Autofahren lesen. Druckkosten entfallen, Entscheidungen über Auflagenhöhe, Papiergewicht, Farbe vs. Schwarz-Weiß sind nicht mehr nötig. Und die Fotos? Auch die werden erzählt: In der Mitte sieht man ein Auto, links davon steht ein kleiner Junge und bietet Schnürsenkel an. Im Hintergrund die Ladenfront eines Geschäfts für Elektroartikel und daneben eine koschere Bäckerei.

Gegen Mittag waren wir zurück am Bismarckring. Wir konnten einem Mann zuschauen, der im Haus gegenüber eine Wohnung renovierte. Durch die Fenster, vor denen keine Gardinen mehr hingen, sahen wir, wie er eine Farbrolle an einer langen Stange bewegte als fege er die Zimmerdecke mit einem Besen. Als wir Hunger bekamen, bestellten wir Pizza und waren so wie von selbst bei der nächsten Idee.

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Vorschlag 2: Pizza-Lieferservice.

Eine schnelle Recherche im Internet ergab: „Der aktuelle Preis für einen Standard-Pizzakarton (30x30x3, neutraler Druck) liegt bei ca. 12 – 17 Cent (netto, inkl. Versand). Entscheident ist hier natürlich die Abnahmemenge und die Wahl des Modells, aber auch bei nur 200 Stk. sollten Sie nicht mehr als 18 Cent zahlen.“ Individuell bedruckte Kartons kosten deutlich mehr. Vielleicht sollten wir es machen wie in Lammbock.

Trotz heruntergelassener Rollläden war die Sommerglut, über die zur Zeit die Medien so viel zu sagen haben, auch in der Wohnung zu spüren. Badeseewetter, Hitzerekord usw. David bestand darauf, den Song Grey in L.A. von Loudon Wainwright III zu spielen, wegen der Zeilen „I donSCAN_20130731_134128618’t know about you – I get so sick of blue skies wherever they always appear.“ Wäre jeder von uns allein gewesen, hätten wir unsere T-Shirts vielleicht auch noch ausgezogen. Aber in Gesellschaft von anderen behalten die Menschen meist ihre T-Shirts an. Aus dieser schlichten Beobachtung entstand eine dritte Idee.

Vorschlag 3: Quemada T-Shirt

Auf unserer Website kündigen wir schon an, dass bald QUEMADA T-Shirts zum Kauf angeboten werden sollen. Aber solange es die Zeitschrift nicht gibt, erschien es uns sinnlos, T-Shirts zu drucken. Warum nicht 2 in 1? Das Magazin selbst wird auf den Stoff gedruckt und als T-Shirt angeboten. Wer die Artikel nicht lesen will, bekommt immerhin etwas zum Anziehen. Wer sie lesen will, kann das beim Bügeln tun. Und das Format bietet einen intellektuellen Vorwand, jemandem auf die Brüste zu starren: „Ich lese gerade den Essay von Rivka Galchen, den Du anhast!“ – „Soll ich ihn für Dich ausziehen?“ – „Auf keinen Fall, ich bin noch nicht fertig.“

An diesem Punkt der Diskussion zerriss ein Krachen das Motorengebrumm des Feierabendverkehrs. Wir hatten den Blitz nicht gesehen, aber wir hörten den Donner. Ein Windstoß fuhr in die Platanen, stieß die Balkontüren weit auf und es fing an zu regnen. Wir standen auf und begannen zu Billy 1. von Bob Dylan zu tanzen als wären wir in Mexiko.SCAN_20130731_144111348

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