Adventsspezial

Destination Christmas #3: Nürnberg

Christmarkt

Auf dem Weg zum Christkindlesmarkt erklärt B. dem stets um Verständnis der deutschen Sitten und Gebräuche bemühten Briten O., dass sie auch zu den Leuten gehöre, die zwar finden, dass Weihnachtsmärkte eigentlich in jeder Stadt den gleichen Kram anbieten — Würstchen, Glühwein, fragwürdiges Kunsthandwerk –, die aber trotzdem hingehen. Warum, fragt er. „Vielleicht, weil die Deutschen gerne Alkohol trinken, und im Winter trinkt man ihn dann eben draußen.“ O. fällt als Erstes der den ganzen Platz umgebende Ring von Bratwurstbuden auf. Ich sehe außerdem die seltsam an meine Kindheit in den achtziger Jahren erinnernden Plastikkästen mit bunten Bildern darauf, die, auf hohen Stangen sitzend, zur Dekoration beitragen sollen. Außerdem hatte ich gelesen, dass auf dem Markt nur echte Tannenzweige zugelassen seien. An den eigentlich formschönen Laternenpfählen sind trotzdem Geweihe aus Plastikgrün angebracht, die ich nicht vorteilhaft finde. B. meint, im Dunkeln, wenn die an den Geweihen angebrachten Glühbirnen leuchten, sähe man den Unterschied vielleicht nicht mehr. Da das das einzige ist, was man sehen kann, ohne sich in den zäh fließenden Brei von Besuchern hineinzubegeben, gehen wir lieber auf den benachbarten und etwas übersichtlicheren Markt der Partnerstädte. Leider singt dieses Jahr kein Grieche live den Schlager über den Wein aus seiner Heimat, der eigentlich ein sozialkritischer Song über heimwehkranke Gastarbeiter ist. Wir holen uns trotzdem am griechischen Stand einen Becher „Besonderer griechischer Glühwein“. Während wir anstehen, fragt ein Mann neben uns die Standbetreiber auf Englisch, wo in Kanada sie herkämen, er sei ein Landsmann. „Kanada?“ Die Frauen verstehen nicht, was er meint. Er zeigt irritiert auf das Schild vorne am Stand. „Da! Kanada!“ Wir blicken zuerst auf die weiß-blauen Ouzo-Flaschen im Angebot und dann auf das Schild, auf dem ‘Kavala, Griechenland’ steht. „Vielleicht hat der schon zu viel mit den Deutschen draußen Alkohol getrunken“, sagt O. Dann gehen wir nach Hause.

Von Esther Widmann

Advertisements