Quemada #2: Living Well is the Best Revenge

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus

Liebe Welt,

ist QUEMADA auf einem vulgärbuddhistischen Trip hängengeblieben, wenn wir sagen: Ein gutes Leben ist die schönste Rache? Was klingt wie die Lustige-Taschenbuch-Version einer fernöstlichen Weltlehre ist in Wahrheit ein Satz des englischen Lyrikers George Herbert und das Motto der neuen, zweiten ersten Ausgabe unserer Zeitschrift: QUEMADA#2: Living Well is the Best Revenge. Das Heft soll diesen Sommer erscheinen und wird sich in Texten und Bildern der Frage widmen, wie wir denn heute verdammt noch mal am besten leben sollen. Wir, das sind natürlich nicht nur die Autorinnen und Autoren von QUEMADA, sondern auch die Leserinnen und Leser aus bislang 64 Ländern, darunter solche, die noch nie an einer Fußball WM teilgenommen haben. Oder sagen wir etwas vorsichtiger lieber: Besucher, denn es ist nicht auszuschließen, dass einige unter denen, die auf unserer Seite gelandet sind, eigentlich im weltweiten Netz auf der Suche waren nach etwas Anderem wie „Spencer+Hill“ oder nach Entspannungsdrogen. Und damit letztlich natürlich auch auf der Suche nach einem guten Leben.

Hier ist eine Vorschau auf das, was kommt:

Simone Schröder erkundet in ihrem Essay IKEA State of Mind die Welt als Möbelhaus und überlegt, ob wir in dieser Welt leben könnten, wenn es sie gäbe. Der Text ist Teil ihres ersten Buchs und wir freuen uns, ihn vorab zu veröffentlichen. +++ Katharina Tjart hat erlebt, dass das Leben in Russland auf zwei Gleisen nebeneinander herfährt: Auf dem Gleis der Politik und dem Gleis der Privatsphäre. Wie das aussieht zeigt sie in einer Fotoreportage aus Yaroslavl. +++ Jan Winkler schreibt über die Erfahrung der Zersiedelung. Unsere Städte wachsen immer weiter in die Breite, die Zwischenräume verschwinden und Landkarten sehen aus wie die Stellen unter Laternen oder Bahnhofsmasten, wo die Tauben immer runterkacken. +++ Sasha Petrova arbeitet an einem Roman über ihre russische Familie (nichts Anderes erwartet die Welt von ihr): Das Ministerium der Unvernunft. Die Figuren sind auf der Suche nach einem besseren Leben, in Russland und anderswo. Wir drucken das erste Kapitel. Und so geht es los:

„Großmama schälte Rüben. Sie saß auf einem dreibeinigen Schemel im Hof und zog die Klinge durch das feste Fleisch der schrumpeligen Kokons, die braun aus der Erde kamen und glatt und weiß in die Blechschüssel flogen, die neben ihr am Boden stand. Die Schalen fielen vor ihr nach unten wie Sägespäne, und wenn die Schüssel voll war, schlug sie die Abfälle in ein großes Leintuch und trug sie zu den Ställen, um sie an die Schweine zu verfüttern.“

Alles Gute,

David Krieger

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